[4] Oje, wo sind wir hier gelandet?

[4] Oje, wo sind wir hier gelandet?

Aus der Metropole in die Provinz

9. August

Stefan, der am gleichen Ort platziert ist, und ich wurden von einem Shuttlebus bereits um 3:20 Uhr abgeholt, obwohl unser Flug erst um 8:35 Uhr gehen sollte. 😼 Anscheinend wurden alle, die ab LaGuardia flogen, in einen Bus gesetzt und nachdem die Ersten um sechs in der FrĂŒh abheben sollten, durften wir drei Stunden in der charmeversprĂŒhenden Fressecke des Flughafens verbringen. Yeah! 😐
Den Beinamen Die Stadt, die niemals schlĂ€ft trĂ€gt New York ĂŒbrigens zurecht, denn vor dem Flughafen war ein ordentlicher Stau und innen herrschte reger Betrieb, als sei es Tag.
Doch auch die Zeit des Wartens ging vorbei und wir flogen mit Umstieg in Charlotte, NC nach Birmingham, AL. Wir mussten noch ein wenig bangen, ob wir unseren Anschluss in Charlotte erreichen wĂŒrden, denn das Abheben am Flushing Bay wurden zweimal abgebrochen, ehe es beim dritten Mal gelang und wir die Wolken erklommen, aber wir kamen rechtzeitg an und konnten unsere Reise wie geplant fortsetzen.

Noch ist uns Alabama
fremd und verborgen

In Birmingham wurden wir von unserem zweiten Collegekoordinator Dr. Davis abgeholt. Unsere Koffer hatten auch den richtigen Weg gefunden. Als er den SchlĂŒssel im Wagen rumdrehte, lief im Radio Sweet Home Alabama, welch eine FĂŒgung.
Auf der zweistĂŒndigen Fahrt zum Ziel der Reise machten wir Rast bei Chick-fil-A, eine der zahllosen Fast-Food-Ketten, die im SĂŒden wohl recht beliebt sein soll. Danach schlief ich ein und wachte erst bei der Abfahrt vom Interstate Highway wieder auf.

Irgendwo im Nirgendwo

Wir beĂ€ugten die Gegend, die an uns vorbeizog: Restaurants, GeschĂ€fte, Tankstellen, WohnhĂ€user und Wald. Typisch amerikanisch stand jedes GebĂ€ude fĂŒr sich allein von einem Parkplatz umgeben.
Irgendwann bogen wir ein und waren auf dem Campus. Der Rasen bis in den letzten Winkel akkurat geschnitten, Sportanlagen verstreut auf dem seicht hĂŒgeligen GelĂ€nde. Der Wagen hielt, wir wechselten vom KĂŒhlschrank in den Backofen und mit dem GepĂ€ck beladen machten wir uns auf den hundert Meter langen Weg. Ich dachte mir, bei der SchwĂŒle wĂŒrden wir sicher total verschwitzt ankommen, aber der Gegenteil war der Fall, es war eigentlich sogar recht angenehm, wenn man den Temperaturschock ausgestanden hatte.
Uns empfing auch gleich unsere Collegekoordinatorin Ingrid Galinat und sie war mir sofort sympathisch. Sie zeigte uns erstmal unsere Zimmer, die nicht nur dank der Klimaanlage kalt waren, sondern auch von der AtmosphĂ€re her: Das weiße Licht des Flures fiel auf den grauen PVC-Boden, der Raum war dunkel, denn die Jalousie vor dem einzigen Fenster, oder besser Schießscharte, war heruntergelassen, die WĂ€nde weiß und nackt. Na bravo. 🙁

Das Zimmer erschien dunkler, nachdem man vom hellen Gang kam und die Sonne nicht hineinschien
Hier erkennt man bereits persönliche Dinge,
da die Fotos nicht direkt nach der Ankunft entstanden

Sowohl Stefans als auch mein Zimmergenosse hatten bereits ihre Sachen ins Zimmer gebracht, waren aber selbst nicht da. Wir waren jeweils mit einem amerikanischen Studenten ins Zimmer gesteckt worden, weil es sonst zu deutsch wĂŒrde… 🙂
Wir stellten nur unsere Sachen ab und Ingrid zeigte uns ein wenig den Campus, natĂŒrlich mit dem Auto, und wir bekamen gleich unsere Tiger Card sowie das WLAN-Passwort. Dann verabschiedete sich Ingrid ins Wochenende und wir waren auf uns allein gestellt. Es tröpfelte ein wenig.
Mein Zimmerkumpane war inzwischen da, Jacob, in vielen Dingen ein typischer Amerikaner, aber dazu an anderer Stelle mehr. Mit ihm unternahmen wir auch einen kleinen Rundgang oder teilweise -fahrt ĂŒber das Areal.
Danach spazierten Stefan und ich an den nahegelegenen Highway. Die ganze Szenerie wirkte trostlos, es dĂ€mmerte ĂŒber dem dunklen Wald, die ParkplĂ€tze waren weitestgehend leer, es waren keine erhellten Fenster an den HĂ€usern zu sehen, gelegentlich huschte ein Auto vorbei. Eine der Leuchtreklamen hĂ€tte noch flackern mĂŒssen.
Wir enterten FredÂŽs, einen Gemischtwarenladen, laut Google ein SchnĂ€ppchenmarkt, der von Lebensmitteln bis Gartenmöbel, von UnterwĂ€sche bis Geschirr, von BĂŒromaterial bis Verbandszeug alles hatte. Zwar wirkte alles etwas schĂ€big, aber irgendwie war es ein kleines Wunderland, in dem man in jeder Reihe etwas neues entdecken, in jedem Regal eine neue KuriositĂ€t erspĂ€hen konnte. Wir tĂ€tigten unseren ersten Kauf, was bei mir bedeutete: Wasser, ein Kissen und KleiderbĂŒgel.
Wir marschierten mit unserer Beute zurĂŒck und legten uns fĂŒr die erste Nacht in Alabama schlafen.

Ein Gedanke zu „[4] Oje, wo sind wir hier gelandet?

  1. Lieber Herr Axmacher,

    herzlichen Dank fĂŒr den Blog zu Ihrem USA-Abenteuer. Wir freuen uns, dass es Ihnen gut geht und wir die Gelegenheit erhalten Einblicke zu erhaschen, wie es Ihnen da drĂŒben geht. Bleiben Sie neugierig!
    Stellvertretend fĂŒr Ihre Kolleginnen und Kollegen aus ZD
    Ihr
    Udo Rittner

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